Kaiser Wilhelm II. in Hannover


 

Der Titel dieses kurzen Aufsatzes ist zweideutig. Zum einen soll natürlich erwähnt werden, daß Wilhelm II. während seiner Regierungszeit sehr oft, nämlich 36 mal Hannover besucht hat, was „die Integration des ehemaligen Königreichs Hannover nach der Annexion 1866 durch Preußen wesentlich gefördert.“ hat.1 Am besten sind die Kaisertage von 1898 und 1907 dokumentiert – aber das ist ein Thema für sich…

Zum anderen geht es um eine besondere Statue, die wohl ein Alleinstellungsmerkmal hatte. In Deutschland war und ist es üblich, daß keiner lebenden Person ein Denkmal errichtet wird. Erst Verstorbene werden in dieser Form geehrt. Selbst Hitler soll untersagt haben, daß ihm zu Ehren Denkmäler errichtet werden. So ist dem Verfasser kein öffentliches, figürliches Denkmal für Kaiser Wilhelm II. bekannt. Wer nun einwirft, daß es doch das Reiterstandbild in Köln an der Hohenzollernbrücke gibt, dem sei gesagt, daß es dort um die Hohenzollern geht, von denen gleich vier Familienangehörige aufgestellt sind.
 
Erinnerungssteine, Reliefs, Büsten etc. gibt es natürlich vielfach. Auch Statuen in Gaststätten, wie dem Kaiser-Keller in Berlin, gab es offenbar mehrere. Aber soweit bekannt, gab es nur in Hannover eine Statue des Kaisers im öffentlichen Raum - das dürfte selten, wenn nicht einzigartig gewesen sein. Für anderslautende Informationen ist der Verfasser dankbar.

Die Geschichte dazu hängt mit dem Bau des neuen Rathauses zusammen, das von 1901 bis 1913 errichtet wurde. Für die Ausschmückung der Innenräume, insbesondere die prachtvolle Eingangshalle warb man um Spenden. Der Fabrikant August Werner, Inhaber einer Bettfedernfabrik und der Kommerzienrat Siegmund Seligmann stifteten zwei Statuen von Kaiser Wilhelms I. und Wilhelms II., die seitlich der großen Treppe in der Zentralhalle aufgestellt wurden. Die mehr als drei Meter hohen bronzenen Standbilder hatte der Berliner Bildhauer und Professor Adolf Brütt geschaffen. Nach dem ersten Entwurf trug die Figur Kaiser Wilhelms II. einen Marschallstab, was bei der Abnahme im Zivilkabinett und vom Kaiser bemängelt wurde. Denn zum Überrock trug man diesen nicht, daher kam der Helm in die rechte Hand der Statue.

Zur Einweihung des Neuen Rathauses von Hannover kam der Kaiser höchstpersönlich und konnte nicht nur das prachtvolle Gebäude bewundern, sondern auch seine Statue in der zentralen Halle betrachten.

 
 

 

 

 

Bild Links: aus Wolfgang Steinweg „Das Rathaus in Hannover“ Schlütersche, Hannover 1988.
Bild rechts: freundlicherweise vom Historischen Museum Hannover zur Verfügung gestellt.

 

Nach der Revolution und dem verlorenen Krieg wogten die Diskussionen hin und her, was nun mit den beiden Statuen zu geschehen sein. Einige wollten den harten Schnitt und sie einschmelzen, andere nur einlagern, wieder andere am Standort stehen lassen. Dazwischen Besitz- und Herausgabeansprüche der Stifter. Kommerzienrat Seligmann forderte Wilhelm II. und August Werner die Statue Wilhelm I. Am Ende landeten beide Statuen 1923 im Fahrradkeller des Rathauses.

Erst 1933, nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten waren sozialistische Proteste kein Thema mehr, man konnte gut mit dem kulturhistorischen Erbe der Hohenzollern leben. So wurden beide Statuen wieder am alten Platz aufgestellt.
 

Diese Begnadigung sollte aber beiden Kunstwerken keine lange Existenz bescheren. Schon am 24.4.1940 gingen beide in die Metallspende für die Rüstungsindustrie, wahrscheinlich wurden sie in Hamburg-Harburg eingeschmolzen. Das war noch vor dem Tode Wilhelms II. aber es ist unwahrscheinlich, daß er davon etwas mitbekam.

 
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1
Klaus Mlynek: Kaiserbesuche. In: Stadtlexikon Hannover. S. 332 f.
 
Literatur:
 
Wolfgang Steinweg „Das Rathaus in Hannover“ Schlütersche, Hannover 1988

Cornelia Regin „Pracht und Macht – Festschrift zum 100.Jahrestag der Einweihung des Neuen Rathauses in Hannover“, Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2013

Gerhard Schneider „Kaiserbesuche – Wilhelm I und Wilhelm II in Hannover 1868 – 1914“ Wehrhahn-Verlag, Hannover 2016
 

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