|
Wer
auf der Suche nach seltenen Büchern zur Kolonialgeschichte
in der Südsee ist, stößt irgendwann vielleicht mal auf „Die
Glückliche Insel oder die Kolonie in der Südsee“ –
vielleicht, weil es wirklich sehr
selten ist.
Und
das Buch ist auch noch interessant, weil es einige
Überraschungen bietet.
Doch zuerst die bibliographischen Daten: erschienen 1896 im
Verlag von Hugo Neumann in Erfurt. Es gibt mindestens zwei
verschiedene Ausgaben mit braunem und grünem Einband, die
sich innen aber nicht unterscheiden. Ob es zwei Auflagen
sind, ist unklar. Möglich ist andererseits, daß der kleine
Verlag vorrätige, verschiedenfarbige Einbanddecken
aufbrauchte.
Solche
Sparmaßnahmen scheinen allerdings im Widerspruch zur Wahl
eines namhaften Illustrators zu stehen, nämlich Willy Stöwer.
In
der Geschichte geht es um die Besatzung eines britischen
Schiffs namens „Flying Swallow“, welches von Plymouth aus
eine Reise zu den Gesellschaftsinseln antritt, dort aber nie
ankommt, da dazwischen zahlreiche Ereignisse liegen, die mit
einer Meuterei beginnen und auf einer unbewohnten, aber
paradiesischen Insel enden, auf der die Überlebenden drei
Jahre ausharren, und wo sie zahlreiche Abenteuer bestehen
müssen und – nach einem Aufenthalt in England – zurückkehren
und eine Kolonie gründen.
Das
ist die nächste Überraschung. Ein deutsches Buch, ein
deutscher Verlag, erschienen zu einer Zeit, da fast täglich
neue, spannende Nachrichten zu den exotische n
deutschen Südseekolonien erschienen und Sehnsüchte weckten.
Und dann nur Briten in der Handlung!
Die
letzte Überraschung birgt der Autor. Der englisch klingende
Name, unter dem auf dem Einband eher unauffällig die
Initialen R.W. stehen, ist kein Engländer, sondern Richard
Wirth (geboren am 26. Juni 1846 in Brilon). Dies hat er
selbst mit offizieller Mitteilung im Börsenblatt des
Deutschen Buchhandels bereits im August 1896 angemeldet.
Warum jemand einen Roman unter Pseudonym veröffentlicht und
sich kurz darauf offenbart, gibt Rätsel auf. Ähnlich
gelagerte Fälle deuten auf einen Streit zwischen Autor und
Verlag.
Alles
in allem ein Buch, das obwohl es eigentlich nicht zur
deutschen Kolonialgeschichte zählt, einen Platz in der
Sammlung verdient hat. Allein die Stöwer-Bilder wären ein
Grund: |